PPP

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PPP – Private Public Property

Der Name ist Programm: PPP ruft auf zur Veröffentlichung von Nutzungsangeboten von Eigentum, das für uns „wertvoll“ ist. Damit versucht PPP das Paradigma der Offenheit und der sie schützenden Verabredungen (Lizenzen) auf stoffliche Güter anzuwenden.

Informationen zu einem stofflichen Gut sollen einen Ort im Internet bekommen, zuerst einmal nur, um eine Nutzung durch andere zu ermöglichen. Die Art und Weise der Zusammenarbeit legt PPP nicht fest. Es bietet aber Vorschläge für bewährte Verabredungen. PPP soll keine Ideologie sein, sondern ein Versuch, in dem Bereich der Beziehungen zu Gütern zu experimentieren. PPP hat einen bewusst eingebauten „Designfehler“: Wer mitmacht, setzt sich ausdrücklich den „Gefahren“ von Öffentlichkeit aus. Eingeladen sind deshalb zuerst vor allem Menschen, die zu Gunsten von Zusammenarbeitsmöglichkeiten diese Gefährdung akzeptieren. PPP-Aktive, also alle Beteiligten, untersuchen an ihrer eigenen Praxis, welche Nutzungskultur sich entwickelt, wenn physikalische Güter ebenso einfach sicht- und suchbar gemacht werden, wie wir es vom Umgang mit Informationsgütern gewohnt sind.

Eines der grundsätzlichen Probleme bei der Entwicklung neuer, auf Gemeinschaftsgüter gestützten Wirtschaftsweise ist das Problem der Transitivität (Übertragbarkeit). Mit Hilfe von Geld kann jeder mit jedem ihm unbekannten Menschen zusammenarbeiten, da ein anerkanntes „Protokoll“ des Austauschens zwischen ihnen existiert. PPP forscht nach „Protokollen“, nach einfachen, zu Grunde zu legenden Verabredungen, die geldlose gemeinsame Aktionen um Güter herum ermöglichen, die zumindest genauso „angenehm“ wie Geld funktionieren.

Forschungsziele dabei sind

  • Wie lassen sich Informationen über physikalische Güter im Web möglichst einfach veröffentlichen?
  • Wie lassen sie sich einfach finden?
  • Wie können wir Güter gemeinsam nutzen, ohne darauf angewiesen zu sein, sich jeweils persönlich zu kennen?
  • Ist gemeinsames Nutzen von Gütern Nährboden für das Wachstum von Gemeinschaften?

Bis jetzt gibt es keine Antworten auf diese Fragen. Vielleicht können folgende utopische (d.h. noch nicht realisierte) Funktionsbeschreibungen deinen Appetit nach Lösungen wecken:

Veröffentlichen

Du hast Dich in einem Social-Web-Service registriert (zum Beispiel http://ppid.it) und dort ein persönliches Profil hinterlegt. Du bist mit ppid.it-Aufklebern versehen, die unter anderem jeweils eine maschinen- und durch Menschen lesbare eindeutige Adresse (URL) enthalten. Wenn Du ein Gut veröffentlichen möchtest, das mit einem EAN-Barcode versehen ist (wie viele Bücher, CDs und DVDs), nimmst du dein Handy, startest das PPP-Programm, machst Bilder des Guts, des Barcodes auf dem Gut und ein Bild des Aufklebers. Dann klebst Du den Aufkleber auf das Gut und bist fertig.

Suchen

Wir sind es bereits gewohnt, physikalische Güter als Waren im Netz zu suchen. Jeder, der etwas verkaufen möchte, ist darauf angewiesen, es einfach findbar zu machen. Er vermeidet es aber möglichst, seinem Konkurrenten ebenfalls zu ermöglichen, leicht findbar zu sein. Mit PPP-Gütern verhält es sich genau umgekehrt: Da es keinen Wettbewerb gibt (und keine eingebaute Knappheit), unterstützen sich alle gegenseitig in der Findbarkeit. Denn jede Nutzung des Guts eines anderen schont die eigenen bzw. die gemeinsamen Ressourcen.

Gemeinsames Nutzen

Der Eigentümer eines Guts und der Nutzer schließen eine Nutzungsvereinbarung. PPP bietet dafür eine Reihe von Modulen, die zu solch einer Vereinbarung kombiniert werden können. Beispiele interessanter möglicher Module sind:

  • Transitivität: Der Nutzer darf seine Nutzungsrechte zu gleichen Bedingungen an einen weiteren Nutzer übertragen. Das verkleinert den Aufwand, mit dem Gut umzugehen. Es muss nicht notwendigerweise an den Eigentümer zurückgehen. Mit diesem Modul lizenzierten Medien (Büchern, DVDs und CDs) wird somit eine freies Reisen ermöglicht.
  • Reparaturgarantie: Der Nutzer verpflichtet sich, das Gut in brauchbarer Verfassung zu halten und für eine mögliche Reparatur aufzukommen. Um dies zu garantieren, kann die Mitgliedschaft in einer Sicherungsgemeinschaft notwendig sein, die eine gemeinsame Kasse unterhält, aus der solche Reparaturen bezahlt werden können, um so das Risiko des Einzelnen auf Mehrere zu verteilen.

Die Nutzung physikalischer Güter in dieser Art hat bereits begonnen. Zum Beispiel stellen sich Menschen in Netzwerken wie Hospitality-Club oder Couchsurfing gegenseitig ihre Wohnräume (oder Sofas) zur Verfügung, um ein geldloses Übernachten zu ermöglichen.

Nährboden für Gemeinschaft

Die Nutzung von PPP-Gütern erfolgt öffentlich. Sie hinterlässt Spuren, die Menschen mit ähnlichen Interessen verfolgen können, um gemeinsame Unternehmungen zu beginnen. Wenn jemand in deiner Nachbarschaft ähnliche Werkzeuge wie du selbst benutzt, ist sie oder er ein geeigneter Ansprechpartner, wenn du Ideen oder Fragen in dieser Richtung hast. Diese Grundidee ist wohl eine der treibenden Kräfte hinter dem Erfolg von LibraryThing – ähnliche oder interessante Menschen kennenzulernen.

Wie geht's weiter? PPP ensteht in dem Vertrauen, dass Evolution unterstützender Strukturen und Kultur nur in kleinen Schritten stattfinden kann, für die sich jeder individuell selbst entscheidet , ohne auf eine Veränderung großer Strukturen (z.B. Staat oder Kommune) warten zu müssen. Wenn du zur Bewegung um die Freie Software gehören möchtest, kannst du es sofort tun, unabhängig von anderen, indem du Freie Software schreibst, bereits geschriebene Software unter einer Freien Lizenz veröffentlichst oder eines der zahlreichen Projekte unterstützt, die Freie Software pflegen. PPP kannst Du ähnlich unterstützen und ausprobieren:

  • Beteilige dich an der Diskussion
  • Veröffentliche Güter als "Mitzunutzende/r" im Internet und sag Bescheid, wenn du das tust

Alle Links zu dieser Seite findest Du unter http://ppid.it/links/de, die Mailingliste zum Projekt unter http://ppid.it/groups/de


Dieser Artikel erschien im Contraste-Schwerpunkt zum Thema Peer-Ökonomie (Januar 2009). Er darf unter den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz »Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland« frei verbreitet, verändert und verändert verbreitet werden, sofern der Autor genannt wird und die Lizenz erhalten bleibt.